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Immendorf

Andacht Oktober 2020

Manche Worte haben ihre Zeit und verändern die Welt wie „I have a dream“ von Martin Luther King. Andere haben abgelaufene Schuhe wie das Unwort des Jahres 2019 „Klimahysterie“, mit dem Klimaschutzbemühungen und die Klimaschutzbewegung diffamiert und wichtige Debatten zum Klimaschutz diskreditiert werden

Der Monatsspruch für den Oktober zeigt uns eine Art Zionshunger. Die Worte entstammen einem Brief des Propheten Jeremia aus dem Jahr 597 v. Chr. Er schreibt an mehrere tausend Deportierte, die in Babylon heimwehkrank auf gepackten Koffern sitzen. Seit Monaten hoffen sie auf ein Wunder:
ihre baldige Heimkehr nach Jerusalem.
An sie richtet er seine Worte wenn er schreibt: Suchet der Stadt Bestes und betet für sie zum Herrn; denn wenn’s ihr wohlgeht, so geht’s euch auch wohl. (Jeremia 29, 7)

Der Prophet ermuntert seine Landsleute, in ihrer Zeit in Babylon nicht tatenlos zu warten, sondern das Beste aus ihrer Zeit und ihrer Situation herauszuholen. Was ihre Heimkehr betrifft, mahnt er zu langem Atem und Geduld. Er rät ihnen, Häuser zu bauen, Gärten zu pflanzen. Und beten sollen sie für die Stadt ihrer Peiniger, die sie verschleppt, entwürdigt und gedemütigt haben.
Derweil essen die Fremden weiter an fremden Tischen von fremden Tellern, trinken aus fremden Bechern, gehen als die neuen Herren auf fremdem Pflaster einer fremden Stadt. Die Sehnsucht der Israeliten aber blieb zwischen den Prophetenworten hängen.

In Herta Müllers 2009 erschienenen Roman „Atemschaukel“ wird die Verfolgung Rumäniendeutscher unter Stalin in einer individuellen Geschichte sichtbar gemacht. Dort berichtet ein junger Mann,
Leopold Auberg, ein Siebzehnjähriger aus Siebenbürgen, über seine Deportation in das Arbeitslager Nowo-Gorlowka in der Ukraine. Nach fünf Jahren Zwangsarbeit gibt er Auskunft über sein wunderbares Überleben. Was er bewahrt und was ihn bewahrt hat, sind beschriftete Erinnerungen:
„Kleine Schätze sind die, auf denen steht: Da bin ich.
Größere Schätze sind die, auf denen steht: Weißt du noch.
Die schönsten Schätze aber sind die, auf denen stehen wird: Da war ich.“
Solche Überlebensschätze liegen nicht auf der Straße und wollen doch gefunden werden.
Die Suche nach ihnen hilft gegen die Furcht, Gott und sich selbst zu verlieren und ein
Fremdling im eigenen Haus zu werden.

„Da bin ich.“ Mit diesen Worten beginnt der Dank mit den Augen. Dieser Dank sucht die große Stadt nach kleinen Schätzen ab und sammelt sie. Die dunkelrote Backsteinfassade der alten Schule spielt Ball mit der Sonne. Der Mai tanzt durch ein tiefgelbes Rapsfeld. Die Kronen der mächtigen Linden leihen dem Hochsommer königliche Schatten und in einer Fensterzeile macht der Himmel Kopfstand.
Von einem Gartenzaun winkt ein verwaister Handschuh. Die nächste Hauswand wird von wildem Wein zusammengehalten. Die kleinen Blicke lieb zu gewinnen ist eine gute Übung. Aus ihnen wächst gesammelter Trost gegen das Heimweh und geballter Trotz gegen ein Leben auf den Knien.

„Weißt du noch.“ Immer wieder legt sich flüchtiges Heimweh auf die größeren Schätze.
Es stört und stöbert Altes und Verdrängtes auf, Begegnungen, Erzählungen, sogar Umarmungen werden durchkämmt.
Die meisten Menschen hängen mit ihren Erinnerungen an einer Landschaft fest. An einem Gebirge, einem Fluss, einem Stadtviertel, einer Straße. Vielen genügt schon ein Treppenhaus, ein Muster im Kopfsteinpflaster, die untrügliche Farbe des Ginsters oder der Duft von Linsensuppe. Dann kommt das zutage, was allen in die Kindheit scheint und sie lebendig macht. Das erste buchstabierte Wort,
der erste Brief an den lieben Gott, die ersten Meter auf dem Fahrrad.
Auf allem steht: Weißt du noch. Erinnerung ist Seelenfutter, Brot für die Seele.

Manchmal aber erscheint selbst das Vertrauteste fremd, auch Gott und alle Engel. In einen fremden Himmel hängt niemand Geigen. Zuerst vergeht einem das Singen. Dann das Beten.
Zuletzt das Vertrauen auf Gottes Verheißungen. Und am Ende ist für uns der Zion, der Heilsort Gottes,
verödet von Füchsen bewohnt. (Klagelieder 5,18)
Deshalb sind die schönsten Schätze die, auf denen stehen wird: Da war ich. Sie klingen immer noch nach in einem Wiegenlied oder in einem Psalm in den Weidenbäumen. Sie werden sichtbar in einem Bibelwort, in einer kleinen Notiz am Rand einer Buchseite, an einer Locke im Medaillon, oder in einem wilden Freudentanz. Sie sind in dem aufgeschrieben was ich Herzhimmel nennen möchte.
Der Herzhimmel ist eine große Weite in mir für Worte, für Gebete, für Erinnerungen, für Wunder
für Gott und für seine schönsten Schätze. Das sind Abrahams Schoß und Saras Lächeln.
Moses Körbchen und Miriams Trommeln, sogar die Posaunen von Jericho, Jakobs Leiter und Josephs bunter Rock. Davids Harfe und Salomos Seide, Das Netz von Petrus, das Zelt von Paulus Netz,
der Grabstein des Lazarus, das Nardenöl der unbekannten Frau und das Kreuz Christi.
In alledem und mit alledem bin ich durch Gott verbunden, alles ist mir vertraut und gehört zu mir wie meine Stadt, weil Gott in all dem ist. Und darum wird überall draufstehen: Da war ich.
Im Herzhimmel gibt es kein einziges Haus aus fremdem Lehm. AMEN

Sankt Johannes Kiche zu Immendorf, Altarkreuz


Gottesdienst in der Immedorfer Sankt Johannes Kiche

Bitte beachten!
Wenn keine Änderung eintritt!   Bitte beachten!
 Der Gottesdienst in der Sankt Johannes Kiche Immendorf ist auf 18    Besucher beschränkt
 Auf Körperkontakt wird grundsätzlich verzichtet
 Beim Betreten und Verlassen des Geländes / der Kirche bitte die    Abstandsregel von 1,50 m einhalten
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 Es wird nicht gesungen,Texte zum Mitlesen sind da
 Bitte bringen Sie nach Möglichkeit einen Nasen – Mundschutz mit


Wachet, steht im Glauben, seit mutig und seid stark. (1. Kor. 16,13)
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