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Im Monat Juli 2026 begleitet uns ein Wort des Propheten Amos:Es ströme aber das Recht wie Wasser und die Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Bach. AMEN (Amos 5,24)Amos’ Wunsch hat an Aktualität auch 2600 Jahre später nichts verloren:Wo blieb das Recht auf Bildung in Afghanistan, in Gaza, in Nordkorea,von Gerechtigkeit ganz zu schweigen? Recht wird in West und Ost mit Füßen getreten. Beispiele finden sich leider zu viele. Diktatoren verwechseln Macht mit Recht und kreieren Willkür. Menschenleben scheinen nichts zu zählen, weder die des eigenen Volkes, noch die anderer Völker. Recht kam auf, um Witwen und Waisen, die Schwächsten der Gesellschaft, zu schützen. Mit der Sozialgesetzgebung und dem Völkerrecht haben Recht und Gerechtigkeit im vergangenen Jahrhundert Siebenmeilenschritte nach vorn gemacht, um jetzt kurzsichtig Machthunger und Profitgier Platz zu machen? Wer das sagt und tut, hat Amos jedenfalls nicht auf seiner Seite. Im Gegenteil, Amos wäre sich mit dem ganzen Orient zusammen sicher gewesen, daß freches Kokettieren mit Ungerechtigkeit und Sünde,das Missbrauchen von Gottes Namen eins nach sich ziehen: Unheil und Untergang, auch wenn das manchmal länger dauern kann und nicht eindeutig abzuleiten ist. Nur deshalb wurden Amos’ Worte erinnert, weil sie 100 Jahre später einzutreffen schienen. Unrecht, Ungerechtigkeit und Sünde hatten das Volk Israel in Niederlage, Exil und Verbannung geführt. Das hinderte Amos Gott sei Dank nicht daran, an frommen Wünschen aus vollem Herzen fest zu halten.Was Gerechtigkeit ist im Einzelnen, wird immer umstritten sein.Brauchen die Wirtschaft möglichst viel Beinfreiheit und weniger Regeln,um zu investieren, Arbeitsplätze und Einkommen zu schaffen? Wo braucht es mehr Regeln, um der Natur, den Schwächeren, und dem Klima Gerechtigkeit widerfahren zu lassen? Was Gerechtigkeit ist oder sein kann, ist in demokratischen Gesellschaften immer wieder neu auszuhandeln. Nach der Redewendung „Suum cuique“, lateinisch für „jedem das Seine“, aber auch „jede das Ihre und jeder das Seine“, die ursprünglich für Gerechtigkeit und individuelle Zuteilung stand. Nicht in der von den Nazis pervertierten Auslegung, der Spruch prangte als zynische Verhöhnung von innen lesbar am Haupttor des Konzentrationslagers Buchenwald.Sondern im Sinne von: Wenn alle ihre Gaben, Fähigkeiten und Ressourcen einbringen, kann mehr Gerechtigkeit werden. Amos weiß, was Dürre ist in Tekoah im heutigen Westjordanland, wenn die Wadis außerhalb der Regenzeit trockenfallen, öde und bizarre Klüfte in der Sandwüste zurücklassen. Er weiß auch, wie sie zu reißenden Strömen werden in der Regenzeit. Recht möge sein wie das Grundnahrungsmittel Wasser, ohne das es kein Leben gibt. Recht und Gerechtigkeit mögen nicht nur Saisonware sein, nein, fließen wie nie versiegende Bäche sollen sie. Ohne Recht und Gerechtigkeit wird das Leben und Zusammenleben schwer. Amos hat auch besonders die Frommen seiner Zeit vor Augen. Frömmigkeit kann bigott und scheinheilig machen. Sie muß es nicht, aber sie kann. Tempel, Gottesdienst und Ritual können blind machen für die Liebe. In Kirche und Frömmigkeit die weiße Weste tragen und im Alltag im Geschäftsleben einzig nach persönlichem Vorteil und Profit streben,das kann Glaube nicht meinen. Da ist sich Amos sicher.Glaube will Gerechtigkeit fördern für alle, unabhängig von Aussehen, Hautfarbe, Geschlecht, sexueller Orientierung, Weltanschauung oder Religion. Zu Amos’ Zeiten umfaßte Israels Glaube schon die Gewißheit, daß alle Menschen Gottes Geschöpfe sind, gleich welcher Abstammung, Sprache oder Nation. Gott hatte Israel befreit aus Ägypten und erwählt,aber nicht nur 5 % der Welt erschaffen, sondern den ganzen Kosmos.Der Apostel Paulus, ein frommer Judenchrist und Rabbiner aus Tarsus,hat den revolutionären Gedanken ausgesprochen, daß Gerechtigkeit im Sinne Gottes, immer nur Geschenk sein kann „aus Glauben in Glauben“, nicht Lohn für noch so gute Werke. Gerechtigkeit, die Gott anerkennt, kann Gott nur mit und durch Jesus Christus schenken, so wie Glaube, Hoffnung, Liebe auch unter Menschen letztlich auf Gnade und Annahme fußen. Und zugleich weiß Paulus auch, daß solche Gerechtigkeit allen Menschen in als Gottesdienst in der Welt Opfer der Liebe bringen will AMENDiese Andacht ist konsequenterweise in alter Rechtschreibung verfaßt!

Andacht Juni 2026Der Spruch, der uns durch den Juni begleiten will steht im Hebräerbrief. Er lautet:Denkt an die Gefangenen, als wärt ihr mitgefangen; denkt an die Mißhandelten, denn auch ihr lebt noch in eurem irdischen Leib! (Hebr. 13,3)Es hat vermutlich mit erhöhter Aufmerksamkeit zu tun. Am Ende eines Briefs wird es noch einmal besonders wichtig. Da werden die Dinge auf den Punkt gebracht. Das, worauf es wirklich ankommt. So auch im Hebräerbrief. In den Bibelausgaben steht darüber oft „Abschließende Ermahnungen“. Das klingt ein wenig langweilig, vielleicht auch etwas zu sehr nach Moral.Aber es geht nur vordergründig um Handlungsanweisungen. Es geht um das, was die christliche Gemeinde im Innersten zusammenhält, hier die „brüderliche Liebe“ (Hebr. 13,1), in der die Gemeinde festbleiben soll. Das alles angesichts einer Welt, die dunkel und bedrohlich wirkt. Es sind schwierige Zeiten mit Anfechtung und Verfolgung. Zeugnis und Dienst sind gefragt. Vorbild ist das Leiden und Auferstehen Jesu, der, früher ein beliebter Konfirmationsspruch, „gestern und heute und in Ewigkeit“ (Hebr. 13,8) derselbe ist. Die geschwisterliche Gemeinschaft wendet sich dabei denen zu, die in besonderer Weise für ihren Glauben einstehen und deshalb im Gefängnis sind. Das ist kein Aufruf für eine, sicher sinnvolle, christliche Zuwendung zu allen Gefangenen und Verfolgten. Der Vers ist zuallererst eine Erinnerung an die christlichen Geschwister, die unter Gefahr für Leib und Leben für ihren Glauben eintreten. An sie soll gedacht werden, als wäre jeder mitgefangen. Die Lebensgefahr, die ihnen droht, deutet die Formulierung „noch im irdischen Leib“ an. Es kann gefährlich sein, aus christlicher Überzeugung zu leben und für den Glauben, die Würde des Menschen und die Freiheit einzutreten. Die Solidarität mit den gefangenen Mitchristen war eine der ganz starken Kräfte, die die Ausbreitung des christlichen Glaubens befördert haben. Wie sehr diese Verbundenheit tragen kann, zeigen die Geschichten aus dem christlich motivierten Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Die Sorge um und die Bitte für die Gefangenen, gerade auch die, die im politischen Widerstand aktiv waren, sind ein beeindruckendes Kapitel von der Anfechtung sowie der Kraft des Glaubens. Die Gedanken gingen dabei in beide Richtungen: hin zu den Gefangenen, aber auch von den Gefangenen zu denen, die noch in Freiheit waren. Besonders berührt mich ein Brief von Klaus Bonhoeffer (1901–1945), dem Bruder Dietrich Bonhoeffers, der gleichfalls aktiv am Widerstand gegen Hitler beteiligt war. Am 23. April 1945 wurde er ermordet. Er hat mehrere Abschiedsbriefe, auch an seine drei kleinen Kinder, hinterlassen. Es sind Hoffnungsbriefe in dunkler Zeit. Es geht um: Freundschaft, Bildung, Verantwortungsbewußtsein, Liebe und Vertrauen und nicht zuletzt die Liebe zur Natur.Der Brief an die Kinder endet mit einem Blick auf die verdunkelte Gegenwart, in der zugleich die Hoffnung des Glaubens zur Sprache kommt. Klaus Bonhoeffer schreibt: „Die Zeiten des Grauens, der Zerstörung und des Sterbens, in denen ihr aufwachst, führen den Menschen die Vergänglichkeit alles Irdischen vor Augen. Denn alle Herrlichkeit des Menschen ist wie des Grases Blume. Unter diesem Erlebnis führen wir unser Leben im Bewußtsein seiner Vergänglichkeit. Hier beginnt aber alle Weisheit und Frömmigkeit, die sich vom Vergänglichen dem Ewigen zuwendet. Das ist der Segen dieser Zeit. Überlaßt euch nicht allein den frommen Stimmungen, die solche Erschütterungen hervorrufen oder die in der Hast und Verwirrung dieser Welt aus einem Gefühl der Leere ab und zu hervorbrechen, sondern vertieft und festigt sie. Bleibt nicht im Halbdunkel, sondern ringt nach Klarheit, ohne das Zarte zu verletzen und das Unnahbare zu entweihen. Dringt in die Bibel ein und ergreift selbst von dieser Welt Besitz, in der nur gilt, was ihr erfahren und euch selbst in letzter Ehrlichkeit erworben habt. Dann wird euer Leben glücklich und gesegnet sein.“ Mich bewegen diese Zeilen aus der Gefangenschaft. Klaus Bonhoeffer nimmt die eigene Endlichkeit in den Blick, auch den eigenen Tod. Denn es ist ja ein Abschiedsbrief, der zum Trostbrief wird. Er zeichnet ein Bild, in dem in verdunkelter Zeit Hoffnung aufleuchtet. Diese Hoffnung, dieses Leuchten brauchen wir auch heute, vielleicht heute sogar ganz besonders.AMENDiese Andacht ist konsequenterweise in alter Rechtschreibung verfaßt!