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Thiede
Sankt Georg Kirche zu Thiede, Altarkreuz

Andacht April 2026

„Sie werden zu Helden.“ Das war die Antwort in der 5. Klasse, Thema „Entstehung der Bibel“, auf die Frage: „Was geschieht, wenn die Geschichten von Menschen aufgeschrieben werden?“ Auch wenn es im biblischen Kontext nicht gerade üblich ist, von Heldinnen und Helden zu sprechen, die Antwort trifft es doch recht genau. Selbst wenn geschulte Bibel-Leserinnen und -Leser das nicht ohne weiteres zugeben würden. Doch wer hätte sich beim Bibellesen nicht schon die Frage gestellt: Was sind die Erfahrungen meines gebrochenen Glaubenslebens gegen die großartigen Gottesbegegnungen und Segenserweise, die etwa einem Abraham oder Jakob zuteil wurden? Sind das nicht geradezu Halbgötter der Gotteserfahrung? Gott mag ihnen unterschiedlich begegnet sein, doch immer in beneidenswerter Unmittelbarkeit. Und man muß nicht beim Ersten Testament haltmachen. Auch in der Geschichte der frühen Christen spielte das Kriterium, wer zu denen gehörte, die den Herrn noch unmittelbar gesehen hatten, eine bedeutsame Rolle. Da tut es gut, eine Geschichte zu hören, in der auch einer von der großen Unmittelbarkeit ausgeschlossen wird. Thomas gehört zum engsten Jüngerkreis. Er hat vieles mit Jesus erlebt, aber gerade jetzt hat er das Entscheidende verpaßt: Er hat den Auferstandenen noch nicht gesehen, aber den anderen ist er schon erschienen!
Thomas ist also keineswegs, wie oft gesagt und sprichwörtlich bekannt, ungläubig, sondern schlicht ausgeschlossen. Und so entspringt sein Bekenntnis unmittelbar vor Jesu Wort, das der Monatsspruch für den April 2026 ist, sicher auch der Freude darüber, jetzt gleichfalls dem Auferstandenen begegnen zu dürfen: „Mein Herr und mein Gott!“ Jesus antwortet ihm dann im Monatsspruch: Jesus spricht zu Thomas: Weil du mich gesehen hast, darum glaubst du? Selig sind, die nicht sehen und doch glauben! (Johannes 20,29)
Dietrich Bonhoeffer hat in seinem großen und ernsten Buch „Nachfolge“ von 1937 auch das Problem der Unmittelbarkeit bedacht, die uns Späteren scheinbar nicht mehr geschenkt ist. Im Kapitel „Der Leib Christi“ fragt er: „Die ersten Jünger lebten in Jesu leiblicher Gegenwart und Gemeinschaft. Was bedeutet das, und worin setzt sich für uns diese Gemeinschaft fort?“
Bonhoeffers Antwort läuft darauf hinaus, daß wir keineswegs nur die Späteren oder gar Zuspätgekommenen sind. Ganz im Gegenteil: Wir haben gleich vollen Anteil an der neuen Gegenwart Jesu als Auferstandener und Verklärter. Glaube, Vertrauen, Taufe und Abendmahl gewähren uns diese Gemeinschaft. Wenn Jesus in seiner Reaktion auf das Bekenntnis des Thomas sagt: „Selig sind, die nicht sehen und doch glauben“, dann meint er damit keine heldenhafte Glaubens- oder gar Willensstärke. Vielmehr spricht er zu Thomas ganz direkt als der Auferstandene, der schon alles überwunden hat, was Menschen von Gott trennen kann. Auch die Zweifel derer, die nicht sehen. Thomas konnte seine Begegnung mit dem Auferstandenen nicht erzwingen, genausowenig wie wir das können. Jesus schenkte sie ihm von sich aus. Wir leben in der Gegenwart des lebendigen Christus.
Was er uns in unserer Vollendung noch schenken wird, darauf dürfen wir voller Vorfreude gespannt sein.
AMEN

Sankt Georg Kirche zu Thiede, Altarkreuz
Wachet, steht im Glauben, seit mutig und seid stark. (1. Kor. 16,13)
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