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Andacht Mai 2026Kann der Hebräerbrief sich eigentlich mal entscheiden? Wie ist das jetzt genau mit dem Vertrauen? In Hebräer 6,19, dem Monatsspruch für diesen Mai 2026, steht: „Die Hoffnung haben wir als einen sicheren und festen Anker unsrer Seele“. (Hebräer 6,19) Aber nur wenige Kapitel später liest man: „Darum werft euer Vertrauen nicht weg, welches eine große Belohnung hat“. (Hebräer 10, 25) Was also jetzt? Festhalten oder loslassen?Einen Anker Muß man doch wegwerfen. Man muß ihn loslassen, damit er hält. Darüber gibt es sogar einen Rätselspruch: „Man wirft es fort, wenn man es braucht und holt es wieder, wenn man es nicht braucht – was ist das?“ Klar, der Anker. Wenn man ihn braucht, muß man ihn loslassen. Man muß den Anker hinunterlassen in das Wasser. Dorthin, wo es tief ist und dennoch einen festen Grund gibt. Damit man gehalten ist im Sturm, oder wenn man einfach in Ruhe bleiben möchte, wo man hingehört. Zuversicht und Heimat. Dafür sorgt ein Anker.Ein Anker ist dafür da, daß die Strömung einen nicht sonst wohin treibt. Denn das geschieht so schnell und Strömungen gibt es genug. Solche, die an der Oberfläche sichtbar sind und das Wasser kräuseln, Unruhe bringen und uns in Sorge versetzen. Und die Tiefenströmungen, tückisch und hinterhältig, kaum zu entdecken, bis sie einen in bodenlose Gleichgültigkeit oder in haltlosen Eigennutz hinunterziehen. In die tückischen Untiefen von Angst und Unsicherheit, in das Gefälle von „Wir gegen die“. Der Anker hält dagegen. Er hält mich am Grund meines Glaubens fest. Auf dem Boden der Gemeinschaft und des Vertrauens. Die Hoffnung hält mich fest, damit ich nicht forttreibe. Darauf setze ich meine Hoffnung. Aber dafür Muß ich sie loslassen. Ich muß sie auswerfen, damit sie hält. Nur wenn ich meine Hoffnung loslasse, wenn ich mich auf sie verlasse, daß sie ankommt, findet sie einen Grund. Dann hält sie mich.Sie verbindet mich mit dem Grund meines Glaubens. Mit dem, was in der Tiefe meiner Hoffnung verborgen liegt. Man muß den Anker loslassen, damit er sich festmachen kann.In dem tiefen Grund unter dem Wasser. Auf dem Grund des Vertrauens. Oft unsichtbar und verborgen in den Strömungen und Untiefen des Lebens. Dennoch ist der Grund da. Und an ihm findet die Hoffnung ihren Halt. Weil er der feste Grund der Hoffnung ist. Der Grund des Glaubens. Der Ort, an dem die Hoffnung sich verhaken kann. Dieser Grund ist Jesus Christus. In ihm ist Gott dem Leben auf dem Grund gegangen und dem Tod auch. In Christus hat Gott sich mit uns verbunden und sich uns überlassen, damit wir uns auf ihn verlassen. Vertrauen macht verletzlich, es liefert einen aus. Gott hat das in Christus am eigenen Leib erfahren müssen. Aber er hat es nicht dabei belassen. Er hat uns nicht dem Tod überlassen, sondern einen Grund geschaffen für unsere Hoffnung. Seeleute haben aus dieser Überzeugung ein Tattoo gemacht: Ein Anker mit einem Querbalken. Anker und Kreuz. Beides gehört zusammen. Daran halte ich fest, daran hält Gott mich fest. Meine Hoffnung ist verankert in der Hoffnung auf Gottes Versprechen: Nicht der Tod hat das letzte Wort über uns, sondern das Leben das erste. So ist meine Hoffnung festgemacht in dem Versprechen, für das Christus steht mit seinem Leben und Sterben: „Fürchte dich nicht!“ Das ist der Grund für meine Hoffnung.So hält sie mich. Denn so ist es wohl richtig: Nicht ich halte die Hoffnung, die Hoffnung hält mich. Also werfe ich meine Hoffnung nicht weg, sondern ich lasse sie hinunter auf den Grund meines Glaubens. Ich lasse los und lasse mich halten. Denn die Hoffnung ist ein sicherer Anker für meine Seele.AMENDiese Andacht ist konsequenterweise in alter Rechtschreibung verfaßt!

Andacht April 2026„Sie werden zu Helden.“ Das war die Antwort in der 5. Klasse, Thema „Entstehung der Bibel“, auf die Frage: „Was geschieht, wenn die Geschichten von Menschen aufgeschrieben werden?“ Auch wenn es im biblischen Kontext nicht gerade üblich ist, von Heldinnen und Helden zu sprechen, die Antwort trifft es doch recht genau. Selbst wenn geschulte Bibel-Leserinnen und -Leser das nicht ohne weiteres zugeben würden. Doch wer hätte sich beim Bibellesen nicht schon die Frage gestellt: Was sind die Erfahrungen meines gebrochenen Glaubenslebens gegen die großartigen Gottesbegegnungen und Segenserweise, die etwa einem Abraham oder Jakob zuteil wurden? Sind das nicht geradezu Halbgötter der Gotteserfahrung? Gott mag ihnen unterschiedlich begegnet sein, doch immer in beneidenswerter Unmittelbarkeit. Und man muß nicht beim Ersten Testament haltmachen. Auch in der Geschichte der frühen Christen spielte das Kriterium, wer zu denen gehörte, die den Herrn noch unmittelbar gesehen hatten, eine bedeutsame Rolle. Da tut es gut, eine Geschichte zu hören, in der auch einer von der großen Unmittelbarkeit ausgeschlossen wird. Thomas gehört zum engsten Jüngerkreis. Er hat vieles mit Jesus erlebt, aber gerade jetzt hat er das Entscheidende verpaßt: Er hat den Auferstandenen noch nicht gesehen, aber den anderen ist er schon erschienen!Thomas ist also keineswegs, wie oft gesagt und sprichwörtlich bekannt, ungläubig, sondern schlicht ausgeschlossen. Und so entspringt sein Bekenntnis unmittelbar vor Jesu Wort, das der Monatsspruch für den April 2026 ist, sicher auch der Freude darüber, jetzt gleichfalls dem Auferstandenen begegnen zu dürfen: „Mein Herr und mein Gott!“ Jesus antwortet ihm dann im Monatsspruch: Jesus spricht zu Thomas: Weil du mich gesehen hast, darum glaubst du? Selig sind, die nicht sehen und doch glauben! (Johannes 20,29)Dietrich Bonhoeffer hat in seinem großen und ernsten Buch „Nachfolge“ von 1937 auch das Problem der Unmittelbarkeit bedacht, die uns Späteren scheinbar nicht mehr geschenkt ist. Im Kapitel „Der Leib Christi“ fragt er: „Die ersten Jünger lebten in Jesu leiblicher Gegenwart und Gemeinschaft. Was bedeutet das, und worin setzt sich für uns diese Gemeinschaft fort?“Bonhoeffers Antwort läuft darauf hinaus, daß wir keineswegs nur die Späteren oder gar Zuspätgekommenen sind. Ganz im Gegenteil: Wir haben gleich vollen Anteil an der neuen Gegenwart Jesu als Auferstandener und Verklärter. Glaube, Vertrauen, Taufe und Abendmahl gewähren uns diese Gemeinschaft. Wenn Jesus in seiner Reaktion auf das Bekenntnis des Thomas sagt: „Selig sind, die nicht sehen und doch glauben“, dann meint er damit keine heldenhafte Glaubens- oder gar Willensstärke. Vielmehr spricht er zu Thomas ganz direkt als der Auferstandene, der schon alles überwunden hat, was Menschen von Gott trennen kann. Auch die Zweifel derer, die nicht sehen. Thomas konnte seine Begegnung mit dem Auferstandenen nicht erzwingen, genausowenig wie wir das können. Jesus schenkte sie ihm von sich aus. Wir leben in der Gegenwart des lebendigen Christus.Was er uns in unserer Vollendung noch schenken wird, darauf dürfen wir voller Vorfreude gespannt sein.AMEN