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Thiede
Sankt Georg Kirche zu Thiede, Altarkreuz


Andacht Juni 2024

Der Monatsspruch für den Monat 2024 steht im Ersten Testament, im 2. Buch Mose
und fordert das Volk Israel auf: Fürchtet euch nicht! Bleibt stehen und schaut zu, wie der Herr euch heute rettet. (2. Mose 14,13).
Als Mose zu seinem Volk diese Worte spricht ist die Flucht aus Ägypten scheinbar zu Ende, scheinbar gescheitert. Hinter ihnen nähert sich schnell die hochgerüstete ägyptische Armee, vor ihnen sind die genauso unbarmherzigen Fluten des Schilfmeeres.
Bittere Angst, eiskalte Lebensangst übernimmt die Regie. Viele Israeliten denken sich, wären wir doch nur in Ägypten geblieben, alles ist besser, als hier jämmerlich zu ersaufen! Ja, das ist so eine Sache mit dem nicht fürchten.
Natürlich stehen wir heute nicht als Volk Israel mit Mose am Schilfmeer und warten darauf, daß wir weiterkommen. Und hinter uns sehen wir auch nicht das Heer des Pharaos, das immer schneller nahekommt. Und wir haben auch nicht unser Haus und unseren Lebensort verlassen und alles aufgegeben. Ich sehe uns trotzdem da stehen. Und wir wissen: Es muß einen Weg in die Zukunft geben, wir sehen ihn nur nicht. Und die Klimakatastrophe jagt hinter uns her. Und das Sicherheitsempfinden in unserer Welt ist durch Kriege in unserer Nähe empfindlich gestört. Und wir als Kirche sind in den Grundfesten erschüttert und wie gelähmt angesichts des Mißbrauchsskandals, der endlich ans Licht kam und über den nicht hinter vorgehaltener Hand geflüstert wurde. Und wir spüren: Die Gesellschaft verändert sich. Die sozialen Medien werden immer stärker asozial. Die Schere zwischen arm und reich klafft immer weiter auseinander. Äußerlichkeiten werden wieder wichtiger als Charakter. Sehr dunkelbraune Gedanken bahnen sich einen Weg. Der längst vergessen geglaubte Faschismus zeigt erneut seine häßliche und abscheuliche Fratze. Heute nur nicht mehr in brauner Uniform sondern in der AFD im blauen Anzug, im Kostüm mit Perlenkette oder mit Hundekrawatte. Letztlich haben wir doch unsere eigenen Ägypter hinter uns. Und ein Meer von Aufgaben für die Zukunft vor uns. Aber wir Christen sind es nicht mehr gewohnt, uns einzumischen.
Zu lange haben wir uns versteckt, hinter unseren attraktiven Kirchenmauern. Mit großem Geld im Hintergrund. Und der Scheinsicherheit von deutlich mehr als der Hälfte der Bevölkerung als Mitglieder. Und nun stehen wir da. Hinter uns drängende Probleme, die auch uns bald überrollen werden.
Und vor uns? Eine Fülle von Aufgaben, die wir nicht mehr stemmen können. Vielleicht, weil wir es uns eben zu bequem gemacht haben in den letzten, den fetten Jahrzehnten. Und es hilft alles nichts. Wir müssen einen Weg in die Zukunft finden. Und wir können nur darauf hoffen, daß wir wenigstens die Zuversicht haben, auf Gott zu vertrauen. Damit wir den Mut und die Kraft finden um weiter zu machen. Und dann endlich wieder ins eigene Handeln kommen. Denn diese Welt braucht uns, um so zu werden, wie Gott sie sich vorgestellt hat.
AMEN

Diese Andacht ist konsequenterweise in alter Rechtschreibung verfaßt!

Sankt Georg Kirche zu Thiede, Altarkreuz

Andacht Mai 2024

Ein Wort aus dem 1. Korintherbrief des Apostel Paulus begleitet uns durch den Monat. Er schreibt uns: Alles ist mir erlaubt, aber nicht alles dient zum Guten. Alles ist mir erlaubt, aber nichts soll Macht haben über mich. (1. Kor. 6,12) Alles ist mir erlaubt, dieser Satz scheint in unserer Gesellschaft gerade Hochkonjunktur zu haben. Individualität ist ein hohes Gut in unserer westlichen Gesellschaft. Jeder Mensch hat das Recht auf die eigene Selbstverwirklichung. Jeder Mensch hat das Recht so zu leben, so zu sein, so zu glauben wie es ihm entspricht. Das entspricht der Würde jedes Einzelnen wie sie im Grundgesetz lange schon verankert ist. Alles ist mir erlaubt, aber…ein positiver Satz, der Freiheit verspricht, der jedoch schnell nach hinten losgehen kann, wären da nicht die beiden Nebensätze. Sie erinnern daran, daß es nicht gutgehen kann, wenn der einzelne Mensch nach eigenen Gutdünken handelt, ohne sich in ein höheres Ganzes eingebunden zu fühlen. Wenn die Frage nach dem Guten nicht gestellt wird. Wenn das, was der einzelne Mensch tut, nicht auch die anderen im Blick hat. Die Ausgewogenheit zwischen persönlicher Freiheit und der Freiheit des Gegenübers wird uns nicht in die Wiege gelegt. Sie muß von klein auf gelernt sein und immer wieder, in jeder neuen Situation, neu erprobt werden, denn jede neue Situation erfordert ein neues Ausloten. Wie schafft man es also, das richtige Gleichgewicht zu finden? Woher weiß man, daß die eigene Entscheidung dem Guten dient?
Die Reformpädagogin Maria Montessori tat alles, um Kindern die Möglichkeit zu geben, eigene und freie Entscheidungen treffen zu dürfen. „Alles ist erlaubt“, bedeutet für sie: Du entscheidest selbst, was du wann tun willst, mach ruhig Fehler, probiere dich aus. Bis heute stehen Kindern in Montessori-Einrichtungen Räume zur Verfügung, in denen sie aus verschiedensten Materialien, entsprechend ihrem Entwicklungsstand und ihren Wünschen, eigenständig auswählen können, Alles ist ihnen erlaubt. Ein grenzenloses Paradies also? Nein, denn ein Raum hat Grenzen. Und es sind genau diese Grenzen, die es ermöglichen, freie Entscheidungen treffen zu können. Sich innerhalb eines Rahmens bewegen, der das gemeinsame Miteinander klar regelt: Tu was du willst, aber störe die anderen dabei nicht. Nimm dir alles was du brauchst, aber räume es hinterher wieder zurück. Mach das, was du willst, aber laß auch die anderen ihre Sachen in ihrem Rhythmus tun. Keine Freiheit ohne Grenzen und Absprachen. Keine Freiheit ohne den Respekt vor der Freiheit des anderen. „Die Freiheit des Einzelnen endet dort, wo die Freiheit des Anderen beginnt“ sagte der Philosoph Immanuel Kant. Und der Dichter Matthias Claudius, dessen aufgegangenen Mond viele Menschen des Abends besingen, formuliert es so: „Die Freiheit besteht darin, daß man alles das tun kann, was einem anderen nicht schadet.“ Das ist keine einfache Aufgabe, denn immer wieder gerät man ganz automatisch an die Grenzen der anderen. Also besser Entscheidungen aus dem Weg gehen aus lauter Angst, es verkehrt zu machen? Daß das keine Lösung ist, hat Jesus vortrefflich vorgelebt. So vieles hat er getan, was Menschen zunächst vor den Kopf gestoßen und ihre Grenzen überschritten hat. Durch die Gegend ist er gezogen mit seiner Jüngerschaft, anstatt die Schreinerei seines Vaters zu übernehmen. Andere hat er angestiftet, ihre Familien zu verlassen, um mit ihm zu gehen. Am Sabbat hat er gearbeitet, die alten Schriften hat er neu interpretiert. Viele Freiheiten hat er sich genommen. Aber sie haben zum Guten gedient. Sie haben ihn nicht in einen Rausch geführt, der über ihn Macht hatte, sondern er hat sich in den Dienst Gottes gestellt. Er lädt uns dazu ein, daß auch wir uns in diesen Dienst stellen. Mit allem, was wir sind und haben, mit unserem Tun und Können, unseren Begabungen und unserer Freude an der eigenen Verwirklichung. Und auch mit unserem gelegentlichen Scheitern. Immer verbunden mit der Frage nach dem „Guten“: Wem dient das, was ich mir herausnehme? So beschließt Matthias Claudius sein bekanntes Abendlied mit dem Satz: Verschon’ uns, Gott mit Strafen, und laß uns ruhig schlafen, und unsern kranken Nachbarn auch. So soll es sein!
AMEN


Diese Andacht ist konsequenterweise in alter Rechtschreibung verfaßt!

Wachet, steht im Glauben, seit mutig und seid stark. (1. Kor. 16,13)
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